Andreas Brendt – f* you happiness?

Andreas (Brendt) ist 42 Jahr jung, wohnt in Köln und ist Autor, Lehrer, Surfer und Weltenbummler. Andi hat VWL und Sport studiert, arbeitete als Surflehrer und hat das größte deutsche Surfcamp in Frankreich geleitet.  Zur Zeit arbeitet Andi an einem Berufskolleg in Köln und wird bald ein neues Sabbatjahr starten, in dem er sicherlich wieder viele neue Abenteuer erleben wird. Über die bisherigen Erlebnisse erzählt er in einer sehr humorvollen, aber trotzdem tiefsinnigen Art und Weise in seinen zwei Büchern ‚Boarderlines‘ und ‚Boarderlines – Fuck you happiness‘.

 

Und genau deswegen gehört Andi zu #besensitivebeyou

 

Hier findet ihr Andis Antworten, seine Ideen und seinen Blickwinkel über Hochsensibilität.


Dein Symbol:  

Ich selbst nutze keine Symbole, habe nur ein silberner Anhänger (Kette), der mir sehr viel bedeutet. Er könnte ein kleiner Elefant sein, das erkennt man nicht so genau. Ganesha vielleicht, der indische Gott der Schriftsteller und Gauner. Und die beliebteste Gottheit, weil er hilft, Widerstände zu überwinden. Ich habe ihn auf Hawaii gekauft, nachdem ich den ersten Moment purer Selbstliebe erfahren habe.

 

Was bedeutet für dich Freiheit? 

Alles tun zu können, was man möchte und sich dabei wohl zu fühlen. Es bedeutet weniger Zwang, keinen gesellschaftlichen und auch keinen selbstgemachten Druck zu fühlen. Das bedeutet, dass man den Konventionen und der Normalität trotzen kann und mindestens (!) genauso, dass man ein ruhiges, einfaches, spießiges Leben führen kann. So viele Menschen sind heute unfrei, weil sie nicht normal sein wollen. Da fällt mir eins meiner Lieblingszitate von Mooji ein: You say: All you want is freedom. I say, if you want nothing, you are free.

 

Warum gehört das Surfen zu deinem Leben? 

Weil es Spaß macht, weil es mich in die weite Welt hinausgetrieben hat und ich es liebe, neue Orte, Menschen und Kulturen zu entdecken. Weil es sehr emotional sein kann. Weil es wie eine Befreiung wirken kann. Weil es Meditation sein kann. Weil es ein großer Lehrmeister in Vergänglichkeit ist, für den ich alles gebe und im Anschluss nichts in Händen halten.

 

Wie passt dein ‚alter‘ Lebensstil mit deinem Beamtendasein zusammen?

Ganz gut, weil ich viele Ferien habe, die mir Zeit bieten mich zu entfalten (oder erholen) und weil die Sabbatjahre eine Chance sind, mich kreativ und schriftstellerisch auszuleben, ohne zu viel über das Brötchen-Verdienen-Müssen nachzudenken.

 

Wieso sollte man unbedingt ein Sabbatjahr machen?

Sollte man nicht! Aber wer Lust dazu hat, mal was anderes zu machen, oder einfach gar nichts, wird es nicht bereuen. Es ist eine tolle Gelegenheit aus dem Hamsterrad und der Macht der Routine auszubrechen.

 

Warum hast du dich für den Beruf des Lehrers entschieden?

Ich arbeite gerne mit Menschen und der Beruf lässt mir Freiheiten, die ich für all die Flausen nutzen kann, die mir so im Kopf herumspuken 🙂

 

Welches Land ist dein Lieblingsland?

Indonesien, aber es gibt sehr viele wunderbar tolle Orte.

 

Wie bist du auf die Idee gekommen, ein Buch zu schreiben?

Ich war früher mal ein paar Jahre am Stück unterwegs. In dieser Zeit habe ich häufig Reisemails an meine Freunde geschickt, um den Kontakt nicht ganz zu verlieren. Darauf kamen häufig sehr begeisterte Rückmeldungen und im Scherze der Vorschlag: Daraus musst du unbedingt mal ein Buch machen. So schlummerte eine Idee ein paar Jahre in meinem Hinterstübchen und als eine kleine Lebenskrise eine Menge Energie freigesetzt hat, habe ich mich auf das Projekt gestürzt.

 

Wie geht es mit ‚Boarderlines‘ weiter?

Ich hoffe, dass die Bücher bekannter werden. Sie sind irre beliebt und scheinen viele Leser nahezu zu verzaubern. Für mich ist das wie ein Traum, weil ich etwas mit sehr viel Herzblut vorangetrieben habe, was nun etwas Gutes bewirkt. Da würde ich am liebsten weiter Zeit und Kraft reinstecken. Vielleicht beginne ich im kommenden Jahr mit meinem dritten Buch.

 

Kennst du den Begriff der Hochsensibilität?

Ja. Aber ich habe eine merkwürdige Beziehung dazu bzw. komme ohne den Begriff aus. Zum einen wird Hochsensibilität häufig als Problem beschrieben, während ich auf der anderen Seite verstärkt Bücher lese, die sich damit auseinandersetzen, wie taub wir geworden sind und dass wir das Fühlen verlernt haben. Und wieder üben sollten. Wenn ich dann in Foren oder Gruppen ein bisschen darüber lese, bin ich verwundert, dass viele verzweifelt sind und dagegen ankämpfen. Andere möchten etwas Besonderes sein, identifizieren sich darüber oder grenzen sich von den uncoolen Normalen ab. Und wieder andere nehmen wirklich abgefahrene Dinge wahr, so dass sich die Frage stellt, wann man mit dem Aspekt Einbildung zu tun hat. Damit bin ich bei einem meiner Lieblingsthemen: Gibt es überhaupt so etwas wie Einbildung? Ich fände einen offenen, neugierigen Austausch gut, der nichts dramatisiert oder schwermacht und den Betroffenen Möglichkeiten bietet, mit ihrer Gabe gut zurecht zu kommen. Und allen anderen Inspiration mehr zu fühlen und zu erforschen. Alles mit einem liebevollen Auge.

 

Spielt Hochsensibilität in deinem Leben eine Rolle?

Kaum. Ich versuche viel zu fühlen und mit allem, was ich fühle, einverstanden zu sein. Momentan experimentiere ich mit Radikaler Erlaubnis (Mike Hellwig).

 

Inwiefern kann das Surfen für Hochsensible eine ganz besondere Erfahrung sein?

Surfen kann vom Denken und Fühlen befreien. Das ist eine meditative, entspannende Seite. Es kann auch ein Spiel mit Gefühlen wie zum Beispiel Angst, aber auch Scham (wenn´s nicht so klappt) sein. Der Hauptaspekt ist wohl das Wiederentdecken einer kindlichen Freude mitten in der Natur mit einer schönen Distanz von Konzepten.

 

Inwiefern kann das Surfen für Hochsensible besonders anstrengend sein?

Weiß ich nicht. Entweder weil ich zu wenig Kontakt zu Hochsensiblen habe oder weil ich die Kategorisierung (in Hochsensible und nicht Hochsensible) nicht besonders mag. Ich mag überhaupt keine Kategorisierung – ist alles Mensch.

Wann bist du das erste Mal mit Hochsensibilität in Berührung gekommen?

Mir hat eine Leserin geschrieben, die hochsensibel ist und das erste Buch sehr genossen hat.

 

Hochsensibilität und Reisen?

Klingt wie eine Herausforderung. Und wie immer kann sich jeder seine Herausforderung aussuchen. Man kann mit schönen Städten in Europa anfangen und muss nicht als erstes in den Kongo reisen. Oder man reist mit Freunden oder Gleichgesinnten. Wir können das Maß an Unsicherheit ein wenig selbst bestimmen. Jeder darf mutig sein. Und nebenbei: Jeder darf ängstlich sein. Und ohne Angst kann es keinen Mut geben.

Beruf oder Berufung?

Leider meist beides. Aber sollte ich irgendwann mal viel Geld verdienen, werde ich nicht weniger arbeiten, aber mehr entscheiden, welche Art von Arbeit ich verrichte und da habe ich noch jede Menge Ideen 🙂

Dein Ziel mit deinen Büchern?

Ich möchte den Lesern ein lebendiges Leseerlebnis verschaffen. Sie sollen Orte und Momente mitfühlen, natürlich laut loslachen und über das Leben schmunzeln. Es wäre schön, wenn sich alles leichter danach anfühlt. Und der zweite Teil geht noch einen Schritt weiter. Eine emotionale Achterbahn, die Schwächen und Krisen sympathisch macht. Ich wünsche mir, dass sich der Leser selbst dann mit anderen Augen sieht. Einfach sanfter und liebevoller zu sich selbst wird. Was das zweite Buch in manchen Menschen auslöst, ist total überwältigend für mich. Ich bin sehr dankbar dafür.

Das möchtest du mir noch sagen…

Nichts, ich mach jetzt lieber eine kurze Mittagsruh 🙂

In diesem Sinne: #danke und #besensitivebeyou

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