Mein Spiegelbild! – Wenn wir uns in unserem Gegenüber spiegeln!

Wann hast du solch eine Situation schon einmal erlebt: Du ärgerst dich über dein Gegenüber. Aber dir wird klar, dass du dich nicht über ihn ärgerst, sondern über dich selbst. Denn du bist es selber, den du gerade nicht magst.
Hermann Hesse schreibt:

Das hat mich zum Nachdenken angeregt. Ich denke jeden Tag, jede Minute, einfach immer… Das kann sehr anstrengend sein. Manchmal hilft es mir aber auch, mich zu reflektieren. Beim Lesen des Zitates kam mir sofort eine Erinnerung an ein Erlebnis auf meiner Bali-Reise:

Schon morgens bemerke ich, dass ich mich auf die bevorstehende River Rafting Tour freue. Gleichzeitig habe ich aber auch ein mulmiges Gefühl. Ich weiß nicht, was uns erwartet, wo wir sein werden und wie es sich anfühlen wird. Ich habe Respekt vor dem anstehenden Abenteuer. Meiner Zimmernachbarin scheint es genauso zu gehen. Schon früh spricht sie von ihrer Angst. „Hast du schon mal eine Tour gemacht?“ „Ja, schon mehrmals. Es macht einen riesen Spaß. Hoffentlich heute auch!“ Ich schaue schnell weg und wende mich den anderen Mitstreiterinnen zu. Als wir ankommen, bin auch ich noch angespannter, aber auch voller Vorfreude. Die Aufregung meiner Zimmernachbarin wird immer offensichtlicher. Ich kann sie voll und ganz verstehen, aber irgendwie stört sie mich auch. Ständig fragt sie mich aus und zeigt ihre Unsicherheit. Den langen steilen und unbefestigten Weg macht sie nur langsam und ich kann ihre Panik sehen und spüren. Im Boot will sie nicht vorne sitzen und Halt hat sie auch nicht. Sie ist einfach so ängstlich, dass sie völlig erstarrt. Oft plumpst sie weg oder zur Seite und trifft auch mich dabei. Mich macht das zusehends aggressiver und ich kann mich einfach nicht mehr auf die wunderschöne Natur konzentrieren. Sie regt mich auf und ich ärgere mich bis zum Schluss immer wieder über sie. Sie hat mir meine Tour versaut, weil ich mich mehr über sie geärgert habe, als das Rafting zu genießen. Aber dann sagt sie beim Aussteigen diesen einen Satz und mir wird klar, dass ich mich geirrt habe: „Das war richtig schön! Ich bin froh, dass ich es gemacht habe und über meinen Schatten gesprungen bin. Früher hätte ich es niemals ausprobiert!“.

Und da kommt auch meine Erleuchtung. Ich habe mich nicht über sie geärgert, sondern über mich selbst!

Sie hat vollkommen Recht und in dem Moment noch viel schlimmer für mich: Ich bin wie sie. Mit dem Unterschied, dass ich meine Angst verborgen habe und so getan habe, als hätte ich überhaupt keinen Respekt vor dem Rafting…. Bullshit.
Ich habe die ganze Zeit meine Angst verborgen. Denn was würde wohl passieren,  wenn irgendwer mitbekommen könnte, dass ich Angst habe? Und genau das ist es. Nicht zeigen zu können, wer man wirklich ist. Mich haben ihre Ängste in diesem Moment genervt. Aber eigentlich war es der Unmut darüber, dass meine Ängste mich im Griff hatten. Ich konnte die Tour gar nicht genießen, weil ich Angst hatte.

Sie hat ihre Angst gezeigt und sie überwunden. Und was kann schon passieren, wenn irgendwer meine Angst mitbekommt? – Nichts!

Und was kann schon passieren, wenn jemand bemerkt, wie sensibel ich eigentlich bin?! – Nichts.

Hesse hat also Recht.
Aber nicht nur das: Es ist auch ok, Schwächen zu zeigen und sie/sich manchmal nicht zu mögen. Aber es ist gleichzeitig auch in Ordnung, sensibel zu sein!!

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